Eric Giebel liest Moya Cannon am 12.10.2017

Lyrikbuchhandlung
Lesung zur Frankfurter Buchmesse 2017

Zum zweiten Mal findet während der Frankfurter Buchmesse die von hochroth initiierte Buchhandlung der Lyrikverlage statt.

»Die Lyrikbuchhandlung ist eine Initiative, die Verlage unterstützt, welche annähernd 50% Lyrik im Verlagsprogramm führen und insbesondere zeitgenössische Autoren publizieren. Ihr verlegerisches Risiko ist hoch, da der Markt sehr klein ist.

Ihr Engagement für ein einzigartiges Profil hat die Lyrikbuchhandlung erstmals zur Leipziger Buchmesse 2012 durch eine Präsentation gewürdigt und das Format in den folgenden Jahren weiterentwickelt. Die erzielten Einnahmen gehen zu 100% an die Verlage.

An drei Tagen der Buchmessewoche in Leipzig und Frankfurt finden Lesungen zeitgenössischer Autor_innen und Übersetzer_innen statt, die einen Einblick in die aktuellen Programme der Verlage geben. Des Weiteren treffen sich Autor_innen und Verleger_innen abseits des Messegeschehens.«
[http://www.lyrikbuchhandlung.de/konzept-2/]

Mittwoch 11.10.2017 von 22:00 Uhr bis 1:00 Uhr
Donnerstag 12.10.2017
und Freitag 13.10.2017 von 19:00 Uhr bis 1:00 Uhr

Galerie Bernhard Knaus Fine Art,
Niddastraße 84 | 1. OG , 60329 Frankfurt/Main

Am Donnerstag 12.10.2017 um 20:00 Uhr stelle ich den zweisprachigen Band A Private Country | Ein privates Land der Irin Moya Cannon (Übersetzung aus dem Englischen von Eva Bourke und mir), erschienen in der edition offenes feld (eof), die erstmals bei der Lyrikbuchhandlung vertreten ist, mit einer zehnminütigen Lesung vor.

Komplettes Lesungsprogramm auf www.lyrikbuchhandlung.de.

Vicente Valero: „Die Fremden“

Die abgewandte Seite der Familie

Vicente Valero, 1963 auf Ibiza geboren, hat 2014 ein Buch über „fremde Verwandte“ veröffentlicht. Herausgekommen ist, nun in deutscher Übersetzung von Peter Kultzen vorliegend, ein im Umfang schmales, doch bedeutendes Stück Prosa, das als Romandebüt beworben wird, vom Autor selbst als Bericht verstanden werden will.

Rezension auf fixpoetry.

 

Moya Cannon: „A Private Country | Ein privates Land“

Ein Herzensprojekt ist angekommen auf dem deutschsprachigen Buchmarkt!

Eine Auswahl aus den letzten drei Gedichtbänden der irischen Lyrikerin Moya Cannon erstmals in deutscher Übersetzung (von Eva Bourke und mir).

edition offenes feld
Gebundene Ausgabe, 152 Seiten
17,50 Euro
ISBN 978-3-7448-7523-3

Eine Danksagung an (in der Reihenfolge des Auftretens):

Marcella Continanza – für die Organisation der gemeinsamen Lesung von Moya Cannon und mir im Rahmen des 7. Europäischen Poesiefestivals in Frankfurt am Main im Mai 2014
Moya Cannon – für diese wunderbare Lesung und ihr Vertrauen, dass ihre Gedichte bei Eva und mir zum Übersetzen ins Deutsche in guten Händen sind.
Reinhart Moritzen – für die Lesung einiger deutschen Übersetzungen von Moyas Lyrik, angefertigt von Eva, im Rahmen des Poesiefestivals in Frankfurt und für die postalische Übersendung derselben.
Ireland Literature Exchange (ILE) – für die Gespräche bei der Frankfurter Buchmesse 2014 mit Christine O’Neill, die mir in der Frühphase des Projektes Hans-Christian Oeser als Übersetzer irischer Lyrik nannte,  bei der Frankfurter Buchmesse 2015 mit Radmila Radovanović.
Hans-Christian Oeser – für seine Unterstützung des Projektes im Allgemeinen und für die Herstellung des Kontaktes zu Eva.
Eva Bourke – für die kollegiale und herzliche Zusammenarbeit, für das Wortfeilen bis zur Druckfreigabe, ihre Gastfreundschaft bei meinen beiden Berlin-Besuchen, ihre Bereitschaft, ihr Können und Wissen in Sachen irischer Literatur und Übersetzungsarbeit mit einem zu teilen, der darüber keine Vorerfahrungen besitzt, und für den Kontakt zu Miriam.
Jürgen Brôcan – für sein spontanes Interesse, die Gedichtauswahl vom Manuskript zum Buch werden zu lassen, für seine Verhandlungen mit Carcanet Press, denen es zu verdanken ist, dass der Band zweisprachig erscheinen kann, für die Beantragung eines Übersetzerstipendiums des Translation Grant Programmes von Literature Ireland, für das zähe Ringen um ein möglichst fehlerfreies Skript, für seine nicht nachlassende Konzentration bei dieser Tätigkeit und für die Erarbeitung eines wunderschönen Covers.
Michael Schmidt – für die Erlaubnis, Moyas Gedichte, die in seinem Verlag Carcanet Press, Manchester, erschienen sind, als englische Originalversion abzudrucken.
Literature Ireland (LI) – für das Gespräch mit Florence McDonald bei der Frankfurter Buchmesse 2016, für die Unterstützung bei der Beantragung des Stipendiums und für die Gewährung desselben.
Miriam de Búrca – für ihre Intuition, im richtigen Moment ein Foto aufzunehmen und uns dieses Stück fotografierter Poesie als Coverbild zur Verfügung zu stellen.

Dank auch an alle Personen, die dieses Projekt durch Korrekturlesen, fachlichen Rat oder ihr Wissen über die Verlagslandschaft  unterstützt haben.

Thomas Bernhard: „Ave Virgilio“

Eine kleine Reihe über Bücher, die ich in Buchhandlungen außerhalb Deutschlands gekauft habe: Librerie Feltrinelli, Via di Franco, Livorno, Italien.

schlug Vogelschreie nieder im Aberweizen…

Ave Vergil hatte Thomas Bernhard 1959/60 geschrieben, jedoch erst 1981 veröffentlicht. Das Gedicht markiert den Abschied Bernhards von der Lyrik.
Über diese Phase seines schriftstellerischen Schaffens schreiben beispielsweise Peter Hamm und Jürgen Brôcan.

Das Gedicht wurde für mehrere Ausgaben ins Italienische übersetzt und zweisprachig veröffentlicht. Der hier vorliegende Band ist vom April 2017.

Das Wort Aberweizen erregte mein Interesse. Für dieses Wort habe ich keine Referenz in meiner Sprache. Ich weiß nicht, was der Autor damit meint. Dennoch oder gerade deswegen war meine Neugier geweckt.

[…]

Im Kornfeld:

Zahlte ich nicht den Preis für mein Leben
bevor ich die Finsternis unterschied von der Finsternis…
lobte nicht zu früh des Abends schattigen Ruhm…

Schiffe, meine Brüder der Horizonte,
erzählt mir von meiner Mutter…
… wo mein Bruder stand an den Ufern,
wo meine Schwester ihren Betrug ausschlief,

redete ich von Apfelgrün und von Winterkleie,
durchsuchte ich meine Manteltaschen…
Unsinnige Psalmen verbreitete ich von der Kanzel,
schlug Vogelschreie nieder im Aberweizen…

[…]

(aus: II – Wintermorgen)

Wie also hat die Übersetzerin Anna Maria Carpi dieses Wort, das sich nicht mit Suchmaschinen nicht finden lässt, übersetzt?

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Kurt Heyd: „Christophs Abenteuer in Australien“

Von Butzbach nach Bathurst

Kurt Heyd (* 1906 Darmstadt, † 1981 Darmstadt) veröffentlichte im Sommer 1935 das Kinder- und Jugendbuch „Christophs Abenteuer in Australien“ im Gustav Kiepenheuer Verlag. Dieses Buch, schon überaus erfolgreich im Dritten Reich, aber auch noch in der Nachkriegszeit, war sein literarisches Debüt. In diesem Abenteuerroman nahm er die Erinnerungen seines Großvaters auf, der, wie Heyd in der Vorrede sagt, in den Wintern der Kriegsjahre dem Enkel die Erlebnisse seiner Australien-Reise aus dem Jahr 1854 so lebhaft beschrieb, dass sie sich dem späteren Schriftsteller und Journalisten für immer einprägten.

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Literaturzeitschrift alba 10: Schwerpunkt Mexiko

Die 10. Ausgabe von alba. lateinamerika lesen ist ein Fest für neugierige Augen, die bereit sind, Fernes, vielleicht noch Unbekanntes zu lesen und mit einer feinen Grafik verwoben in neuen Zusammenhängen zu sehen. Der Schwerpunkt dieser Ausgabe ist mexikanische Literatur.

Neben dieser Ausgabe habe ich alba 08 (Aufstrebende chilenische Literatur) in meinem Zeitschriftenregal und hier besprochen.

Wenngleich ich Ende der achtziger Jahre einiges an iberoamerikanischer Literatur in deutscher Übersetzung gelesen habe, bin ich doch nicht sehr vertraut mit den zeitgenössischen Autorinnen und Autoren dieses Teils der Welt.  alba ist für Leute wie mich genau das richtige Medium, um einen kompakten Überblick über die dortige Literaturszene zu bekommen. Die alba-Redaktion gibt in einem Interview Auskunft über die Grundidee des Magazins.

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Luis Chaves: „Während ich aus den Minusgraden zurückkehre und eine beiläufige Bemerkung vortäusche“

Mudanzas ↔ Umzüge
Luis Chaves‘ Lyrik

Kartons mit Edding in Schrägschrift beschrieben.
Küche / Bücher / Bad.
Wenn ein Fremder in diesem Augenblick hereinkäme
wüsste er nicht, ob gerade jemand ein- oder auszieht.
[aus: Umzüge]

Kiste 8 – Wintersachen (Abstellkammer)
Der Gedichtband eröffnet mit der Kapitelüberschrift „Außerhalb der Schwerkraft“ (Erstveröffentlichung) und beinhaltet lediglich das Gedicht „Zeitzone“, aus dem die beiden titelgebenden Verse entnommen sind.

Rezension auf fixpoetry.

Kevin Hart: „Dark Retreat“

Die Rare Objects Series der Vagabond Press aus Sydney bringt jeweils eine kleine Anzahl von Gedichten in limitierter Auflage von 100 Stück heraus. In Australien heißen diese Bücher Chapbooks. Vergleichbar ist das am ehesten mit den bei hochroth verlegten Lyrikbänden, die zu einem niedrigschwelligen Preis bei Buchmessen und im Handel angeboten werden.

Kevin Hart gilt, wenngleich er 1954 in England geboren wurde und seit 2001 überwiegend in den USA lebt, als australischer Dichter und Literaturkritiker. Die englische Version des Wikipedia-Eintrags ist etwas ausführlicher. Dort wird es als „an Anglo-Australian theologian, philosopher and poet“ geführt.

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Yuri Herrera: „Abgesang des Königs“

Der mexikanische Schriftsteller Yuri Herrera, 1970 in Actopán geboren, hat in seiner Dankesrede zur Verleihung des Anna-Seghers-Preises 2016, die auszugsweise in der neuen Ausgabe von alba. lateinamerika lesen abgedruckt ist, die Aufgabe der Literatur in wenigen Worten zusammengefasst (Übersetzung: Susanne Lange).

Wir schreiben nicht, um jemanden zu befriedigen, unsere Arbeit besteht darin, die Erwartungen dessen nicht zu erfüllen, der glaubt, alles schon verstanden zu haben. Die Literatur erklärt nichts, segnet nichts ab, bietet keine einfachen Antworten, im Gegenteil, sie will den Zweifel schüren, ausgehend von einem ästhetischen Ereignis.

Diese Sätze im Gedächtnis, ist es reizvoll, Herreras Debütroman „Abgesang des Königs“ von 2008 (deutsche Ausgabe: 2011, Übersetzung: Susanne Lange) zu lesen.

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Breyten Breytenbach: „Erinnerung an Schnee und Staub“

N.B. Veranstaltung wegen Erkrankung abgesagt, wird im Herbst nachgeholt.

Am Dienstag 23.05.17 um 19:30 Uhr findet im Offenen Haus, Rheinstr. 31, Darmstadt eine von Amnesty International (Bezirk Darmstadt) organisierte Lesung mit Texten und Musik zum Thema Rassismus statt.

Die Textauswahl und Moderation liegt in den Händen meiner Schriftsteller-Kollegin Maria Knissel. Sie bat mich um die Übersetzung eines Gedichts von Enoh Meyomesse (O toi Europe) und um Ideen für Gedichte zum Thema Rassismus.

Ich nahm das zum Anlass, mein schon wieder überquellendes Bücherregal zu durchsuchen und stieß auf mehrere Bücher von Breyten Breytenbach.

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Rocío Cerón: „Diorama“

Die mexikanische Lyrikerin, Essayistin und Herausgeberin Rocío Cerón, 1972 in Mexiko City geboren, gibt ihrem Lyrikband von 2012 den Titel Diorama. Jetzt liegt dieser Band in deutscher Sprache vor. Die Übersetzung stammt von Hakan Özkan.

Kann ein Buch, zumal Cover und Rücken in schwarz gehalten, zu einem Durchscheinbild werden? Zu einem dreidimensionalen Schaubild?

Um sich dieser Frage, wie auch der Lyrik der Mexikanerin, zu nähern, braucht es Geduld, Aufmerksamkeit und jene mächtige Triebfeder gegen jegliche Art von Abschottung: Neugier. Diese erstreckt sich nicht alleine auf den vorliegenden Band, sondern, um es vorwegznehmen, beinhaltet alle verfügbaren elektronischen Quellen, wie Webseite und Blog der Autorin, darin zu finden Video- und Audiodateien ihrer die Mediengrenzen überschreitenden Arbeit.

Das erste Diorama von Louis Daguerre und Charles Marie Bouton erzielte 1821 einen riesigen Publikumserfolg in Paris. Die Zuschauer zeigten sich begeistert vom Zusammenspiel von Bild-, Licht- und Toneffekten. Waren das die ersten multimedialen Inszenierungen?

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