Libretto

Der Himmel über Sodom

Komposition: Wolfgang Kleber
Libretto: Eric Giebel
UA: 11.11.2017, Pauluskirche Darmstadt

Das Oratorium nimmt aktuelle Bezüge zur Frage auf, wie mit Asylsuchenden umgegangen werden soll. Es untersucht anhand der in der Bibel, im Koran und im Talmud erwähnten Geschichte von Sodom, ob ein Einzelner in einer zunehmend dem Gastrecht feindlich gesinnten Masse moralisch handeln kann.

Textgeschichtlich greift das Libretto auf den Beginn des antiken griechischen Dramas zurück, insbesondere auf Aischylos, der durch die Reduktion der Chormitglieder und durch Einführung der gesprochenen Rede als Handlungsträger mittels mehrerer Schauspieler dem Drama entscheidende Handlungsimpulse gab, weg von einer bei den Aufführungen der Großen Dionysien zuvor üblichen Statik in der Handlung. Diese Aufführungen, bei denen dem Chor eine hervorragende Rolle zukam und nur ein  Solist/Schauspieler auf der Bühne stand, glichen eher einem Oratorium denn einem Schauspiel im heutigen Sinne. Die Schutzflehenden von Aischylos, vermutlich um 463 v. Chr., gibt dem Chor allerdings wieder eine stärkere Position und rückt ihn in die tradierte Position des Handlungsträgers. An diese machtvolle Rolle des Chors knüpft Der Himmel von Sodom an.

Der durch schicksalhafte Verstrickungen zum tragischen Helden werdende Lot steht dem Chor der Sodomiter mit seinem Chorführer am Ende hilflos gegenüber.

Weitere Informationen auf www.der-himmel-ueber-sodom.de.