Leopold Federmair: „Schönheit und Schmerz“

Schönheit und Schmerz
Annäherung an Leopold Federmair

Essay

Ich spüre die Unmöglichkeit, dieses Buch zu besprechen, ihm mein (wer bin ich?) Werturteil aufzudrücken. Es geht nicht um Daumen hoch oder runter, ich bin nicht in der Arena, weder Zuschauer, der brav sein Brot frisst, noch Herrscher, der sein Machtspiel treibt. Schönheit und Schmerz von Leopold Federmair macht etwas mit mir, darüber will ich schreibend sprechen.

Könnte ich dann nicht auch eine Rezension schreiben? Ist es nicht so, dass jedes Buch etwas mit der Leserin, dem Leser macht und dass sie alles Recht der Welt haben, diese Leseerfahrung zum Maßstab einer Kritik zu machen? Spielt es eine Rolle, was der Autor sagen will oder kommt es nur darauf an, was ankommt? Entsteht Literatur erst im Auditorium, mit der Leserschaft?

Um nicht nur Fragen zu stellen, gebe ich auf die letzte Frage ein Nein zu Protokoll. Literatur entsteht im Schreiben, unabhängig von der Anzahl und Bewertung der Leserinnen und Leser, daran glaube ich, muss ich glauben, sonst wäre ich kein Schreibend-Suchender.

Weshalb die Flucht ins Essay? Weil es mehr Raum zum Scheitern gibt oder weil ich unverfrorener über mich sprechen kann?

Noch weiß ich es nicht, habe jedoch die Vorahnung, dass sich ein Satz bilden wird, der da lautet:

ICH – SCHREIBE – GEGEN – DEN – TOD

Plötzlich schlägt Unbekümmertheit in Versehrtheit um, ein Unfall, eine Krankheit. Es trifft mich nicht allein. Es geschieht ständig, überall. Und schreiben wir, schreiben wir also immer gegen den Tod. Wollen ihm Leben abtrotzen oder zumindest den Zurückbleibenden ein Vermächtnis hinterlassen.

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Andrea Grosso Ciponte, Dacia Palmerino: „Martin Luther“

Welche Gerechtigkeit …

Der grafische Roman (Graphic Novel) über das Leben und Wirken Martin Luthers, 2016 in der Edition Faust erschienen, fand jetzt auf merkwürdige Weise zu mir. Schon bei der letzten Buchmesse in Frankfurt hatte mir Bernd Leukert, Mitherausgeber von Faustkultur, das Projekt in einem Gespräch vorgestellt.

In der Sakristei der Pauluskirche fand ein Gespräch über das Oratorium Der Himmel über Sodom, für das Wolfgang Kleber die Komposition und ich das Libretto erarbeitet haben, statt. Das Oratorium versteht sich als Beitrag zum Reformationsjubiläum und wird am 11. November in der Pauluskirche uraufgeführt.

Ich gebe zu, dass mein Wissen über Luther gering ist. So bereitete mir die Frage nach dem Zusammenhang des Librettos zu Martin Luther einige Schwierigkeiten. Ich antwortete, dass ja auch Luther sich mit der Frage nach (Gottes) Gerechtigkeit auseinandergesetzt hat und stellte das Oratorium in einen größeren Zusammenhang mit der Frage der Theodizee.

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Marko Pogačar: „Schwarzes Land“

Marko Pogacar: Schwarzes Land

Der Bauch gefüllt mit fremden Uhren

Lebenswege versammeln sich in der biologischen Mitte des 1984 in Split geborenen Autors. Es rumort. Es tickt. Vielleicht ist da eine Bombe installiert, vielleicht spielt ein Verrückter nur rhetorisch mit der Vergänglichkeit des Lebens. Wer sagt, dass der Narr nicht leidet? In Marko Pogačars Körper trifft sich eine Gesellschaft mit ihren krassen Widersprüchen, ihrer Geschichte und dem Alltag der „unabhängigen Republik der Kühe“. Dort unten, im Übergang von Magen und Darm, zwischen Erbrochenem und Verdautem ist es dunkel, ja: schwarz, sehr finster.

Ausführliche Rezension und Textprobe auf faustkultur.

 

Horst Samson: „Und wenn du willst, vergiss“

Horst Samson: Und wenn du willst, vergiss

Das Frühwerk des Lyrikers Horst Samson wurde 2010 von Traian Pop wieder zugänglich gemacht. Eine Rezension des Gedichtbands „Und wenn du willst, vergiss“ findet sich auf faustkultur. In einem Gespräch geht der Autor auf den Stellenwert der Lyrik ein, kritisiert das deutsche Feuilleton und spricht über rumäniendeutsche Literatur sowie rumänische Politik.

Debbie Lim: „Recalling the Bats“

Debbie Lim: Beastly Eye

Flughunde oder auch Flugfüchse, die großen Verwandten unserer in der nördlichen Hemisphäre beheimateten Fledermäuse, erfreuen sich bei den Menschen keiner großen Beliebtheit. Sie sind Vegetarier und ernähren sich von Blüten und Früchten. Viele sehen in ihnen nur Plünderer, die über Obstbäume herfallen. Die australische Lyrikerin Debbie Lim lässt in ihrem Gedicht „Recalling the Bats“ diese Tiere in einem anderen Licht erscheinen und führt uns zum Ursprung des Lebens auf unserem Planeten. Nachzulesen in faustkultur.

faustkultur

Maria Knissel: Drei Worte auf einmal    Klara Hurkova: Über den Dächern das Licht

Meinen ersten Beitrag für faustkultur, das Autoren- und Künstlernetzwerk aus Frankfurt und RheinMain mit (inter)nationaler Ausrichtung, habe ich 2012 über Maria Knissel und ihren Roman „Drei Worte auf einmal“ geschrieben. In diesem Jahr folgte ein Gespräch mit Klára Hůrková, der Herausgeberin der zweisprachigen Anthologie „Über den Dächern das Licht / Nad Střechami Světlo“.

Für 2015 möchte ich diese Tätigkeit ausbauen. Geplant sind folgende Beiträge: Vorstellung des Gedichtes „Recalling the Bats“ der australischen Lyrikerin Debbie Lim, Rezension des Romans „Am weißen Kanal“ von Barbara Zeizinger und Gespräch mit der Autorin.