Leopold Federmair: „Die lange Nacht der Illusion“

Das Leuchten der Ränder

Man kann sich nicht lange der Illusion hingeben, das Leuchten an den Rändern unserer Welt, das stets auch bedeutet: an den Rändern unserer Sprache(n), unseres verbalen Ausdrucksvermögens, sei ein Licht am Ende einer anhaltenden Dunkelheit. Was uns Leopold Federmair, mittlerweile seit 17 Jahren in Japan lebend, in seinem neuen Roman vorführt, ist eine Erstarrung, ein Verlöschen, ein Scheitern – und ein Trotzdem. Mit Die lange Nacht der Illusion schließt der Österreicher nach Tokyo Fragmente (2018) und Schönheit und Schmerz (2019) seine Japan-Trilogie ab.

Rezension auf Fixpoetry.

José F. A. Oliver & Mikael Vogel: „zum Bleiben, wie zum Wandern – Hölderlin, theurer Freund“

Otaheiti

Die Südsee-Insel Tahiti wurde von deutschen Dichtern Ende des 18. Jahrhunderts / Anfang des 19. Jahrhunderts als Asyl erträumt. Dafür verantwortlich war Johann Georg Adam Forster, der an der zweiten Weltumseglung James Cooks von 1772 bis 1775 teilnahm und als erster Vertreter einer wissenschaftlichen Reiseliteratur in Deutschland gilt. Exotik und revolutionärer Freiheitsdrang waren wohl entscheidende Motive derer, die über Emigration nachdachten, um die Verkrustung des politischen Systems in den deutschen Staaten abzuschütteln.

Forster, der dem Mainzer Jakobinerclub angehört hatte, starb 1794 in Paris.

1802 reiste Friedrich Hölderlin, Quellen zufolge zum größten Teil zu Fuß, durch Frankreich, sein Ziel: Bordeaux. Mehrere gescheiterte Anläufe, eine gesicherte Existenz durch eine längerfristige Anstellung als Hofmeister, Hauslehrer aufzubauen, hinter sich, beabsichtigte er zu emigrieren. Er schrieb:

Ich bin jetzt voll Abschieds. Ich habe lange nicht geweint. Aber es hat mich bittre Tränen gekostet, da ich mich entschloß, mein Vaterland noch jetzt zu verlassen, vielleicht auf immer. Denn was hab ich Lieberes auf der Welt? Aber sie können mich nicht brauchen. Deutsch will und muß ich übrigens bleiben, und wenn mich die Herzens- und die Nahrungsnot nach Otaheiti triebe.

Hölderlins Herzensnot war vier Jahre nach der Trennung von Susette Gontard, seiner Diotima, immer noch eine klaffende Wunde.

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Andreas Neeser: „Wie wir gehen“

Tektonik

Der neue Roman Wie wir gehen des Schweizer Schriftstellers Andreas Neeser ist die Bestandsaufnahme eines Lebens. Insofern könnte der Titel auch Wo wir stehen lauten, aber Mona hat sich entschlossen, auf ihren Vater Johannes zuzugehen, wenngleich das ein schwieriger Weg ist. Was verbindet Vater und Tochter, was trennt sie? Am Ende findet sie ein passendes Bild:

Anhand der Unterrichtsnotizen hat sie [Monas Tochter Noëlle, E. G.] mir von den Kontinenten erzählt, die sich unter der Erdoberfläche bewegen. Platten der Erdkruste, die auf dem Erdmantel aufliegen und darauf „herumspazieren“. […] Wir zwei Kontinentchen, du und dich, wir spazieren auf dem Mantel, der unseren gemeinsamen Kern umhüllt. Es zieht die beiden zugleich zueinander hin und voneinander weg. Ein ständiges schmerzhaftes Ziehen und Zerren auf dem Boden der Tatsachen.

Neeser leuchtet die Nicht-Beziehung von Vater und Tochter behutsam aus. Er zerrt sie nicht ans Tageslicht, sucht nicht wortreich, was ohnehin vorgeführt wird, sondern agiert wie ein Beleuchter im Theater, setzt klug in Szene. Manches bleibt im Dunkeln. Neeser überlässt es der Leserin, dem Leser, diese Lücken zu schließen und versetzt so sein Lesepublikum in die gleiche Lage, in der sich auch die beiden Hauptfiguren befinden: Leerstellen und Nullspannen, die auszufüllen sind.

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Adam Zagajewski: „Unsichtbare Hand“

Rozmawiac o ciemnosci w takim jasnym cieniu
Über das Dunkel sprechen in so hellem Schatten

Der Poesie wohnt die Kraft des Trostes inne. Sie ist geeignet, Menschen, die sich im Dunkel der Tage, und damit meine ich bei Weitem nicht nur die Zeit vor Weihnachten, verlieren, aufzurichten und ihnen Hoffnung zu geben. Sie konkurriert somit unweigerlich mit Religion, die ebensolche Angebote versendet.

Ich bin als Katholik ein Anfänger,
der versucht, Gut und Böse zu trennen,
aber nicht weiß, wie sie sich unterscheiden,
vor allem in der Morgen- und Abenddämmerung, wenn
das Licht einen langen Augenblick zögert.
(aus: Erstkommunion)

Adam Zagajewski zu lesen, seine Lyrik mit den Augen (oder bei Lesungen mit den Ohren) aufzunehmen, ist ein großes Geschenk, das uns der 1945 in Lemberg geborene Dichter reicht.

Poesie ist der Königsweg,
der uns am weitesten führt.
(aus: Poesie ist die Suche nach Glanz)

Für den Band Unsichtbare Hand  (2012) wählte der Autor Gedichte aus seinen drei Bänden Powrót (2003), Anteny (2005) und Niewidzialna ręka (2009) aus. Aus dem Polnischen übertrug  Renate Schmidgall in eine einfühlsame und liquide Sprache, flüssig und werthaltig. 2009 wurde Schmidgall mit dem Karl-Dedecius-Preis (für ihre Übersetzungen polnischer Literatur ins Deutsche) ausgezeichnet.

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Leopold Federmair: „Schönheit und Schmerz“

Gespräch mit Leopold Federmair auf Faustkultur.

Schönheit und Schmerz
Annäherung an Leopold Federmair

Essay

Ich spüre die Unmöglichkeit, dieses Buch zu besprechen, ihm mein (wer bin ich?) Werturteil aufzudrücken. Es geht nicht um Daumen hoch oder runter, ich bin nicht in der Arena, weder Zuschauer, der brav sein Brot frisst, noch Herrscher, der sein Machtspiel treibt. Schönheit und Schmerz von Leopold Federmair macht etwas mit mir, darüber will ich schreibend sprechen.

Könnte ich dann nicht auch eine Rezension schreiben? Ist es nicht so, dass jedes Buch etwas mit der Leserin, dem Leser macht und dass sie alles Recht der Welt haben, diese Leseerfahrung zum Maßstab einer Kritik zu machen? Spielt es eine Rolle, was der Autor sagen will oder kommt es nur darauf an, was ankommt? Entsteht Literatur erst im Auditorium, mit der Leserschaft?

Um nicht nur Fragen zu stellen, gebe ich auf die letzte Frage ein Nein zu Protokoll. Literatur entsteht im Schreiben, unabhängig von der Anzahl und Bewertung der Leserinnen und Leser, daran glaube ich, muss ich glauben, sonst wäre ich kein Schreibend-Suchender.

Weshalb die Flucht ins Essay? Weil es mehr Raum zum Scheitern gibt oder weil ich unverfrorener über mich sprechen kann?

Noch weiß ich es nicht, habe jedoch die Vorahnung, dass sich ein Satz bilden wird, der da lautet:

ICH – SCHREIBE – GEGEN – DEN – TOD

Plötzlich schlägt Unbekümmertheit in Versehrtheit um, ein Unfall, eine Krankheit. Es trifft mich nicht allein. Es geschieht ständig, überall. Und schreiben wir, schreiben wir also immer gegen den Tod. Wollen ihm Leben abtrotzen oder zumindest den Zurückbleibenden ein Vermächtnis hinterlassen.

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Christa Morgenrath, Eva Wernecke (Hg.): „Imagine Africa 2060“

Schmetterlingseffekt

Die Zeiten sind lang vorbei, in denen es uns egal sein konnte, ob in China ein Sack Reis umfällt. Politische Aussagen von vor etwas mehr als 10 Jahren erscheinen uns bereits aus einer anderen Epoche, nennen wir sie im metaphorischen Sinne, ob der Hartnäckigkeit der Ignoranz, steinzeitlich.

Frage: Bleibt die heimische Braunkohle…
Antwort: Wer hier nun fordert, zur Rettung des Weltklimas aus der Braunkohle auszusteigen, der sollte sich die Welt aber auch mal anschauen, wie sie ist. Allein die Chinesen bauen beispielsweise jedes Jahr zwei Milliarden Tonnen Kohle ab und eröffnen alle ein bis zwei Wochen ein neues Kohlekraftwerk – ohne auf Umweltschutztechnik einen besonderen Wert zu legen! Deshalb sage ich zugespitzt: Ob wir in Brandenburg unsere beiden Kraftwerke Jänschwalde und Schwarze Pumpe schließen, hat auf das Weltklima ungefähr soviel Auswirkungen, als ob in China ein Sack Reis umfällt.
(aus: Interview mit dem brandenburgischen Ministerpräsidenten Matthias Platzeck am 12.05.2008 für Super-Illu)

Die Welt, wie sie ist, in Augenschein zu nehmen, bedarf vieler Perspektiven. Christa Morgenrath und Eva Wernecke haben als Herausgeberinnen des Buches Image Africa 2060. Geschichten zur Zukunft eines Kontinents zehn Perspektiven zusammengetragen, die einen Ausblick auf die Zukunft Afrikas und der Welt wagen.

Es bedarf keiner vertieften Kenntnis der Chaostheorie, in der der Flügelschlag eines Schmetterlings in Zusammenhang gesetzt wird mit gewaltigen Wetterphänomenen, um zu verstehen, was den Protagonisten Makomborero umtreibt.

Er dreht sich auf seinem Stuhl nach rechts und nahm Nikkei, Mumbai Sensex und Hang Seng in den Blick. Geschäftsschluss war gestern. Heutzutage war davon längst keine Rede mehr. Heute galt 24/7, Handel rund um die Uhr. Schön anzuschauen, grüne und rote Pfeile, alles mit allen verbunden. Schmetterlingseffekt. Der Schnupfen, den all kriegen, wenn Peking niest.
(aus: Data Farming von Tendai Huchu)

Rezension auf Fixpoetry.

Ruždija Russo Sejdović: „Der Eremit. Stille und Unruhe eines Rom“

Hundeperspektive

Erleichtert sprang ich aus dem Bus. Ich wusste, wenn ich drinnen geblieben wäre, hätte ich sie allesamt zerschmettert wie Kürbisse. Ich klopfte meinen Regenmantel ab, um den Staub zu beseitigen. Als ich einen Blick hinter mich warf, sah ich neben dem Weg die Hunde, die ich vorhin zum Teufel gejagt hatte. Ihre nassen Zungen hingen heraus, sie hechelten schwer und stierten mich an, als warteten sie nur auf den günstigsten Moment, um sich auf mich zu stürzen und mich zu verschlingen. Ich ging in die Hocke und starrte ihnen in die Augen, wie es die Cowboys tun im wilden Westen. Urplötzlich begann ich, einen Hund anzubellen. Da wurden sie von Furcht gepackt und rannten über die Felder auf und davon, aber ich hinterdrein. Ich rannte und bellte wie ein Verrückter. Noch nie in meinem Leben hatte ich so fröhlich gebellt. Ich fühlte mich frei und glücklich, einmal in die Haut eines Tieres geschlüpft zu sein.
(aus: Jugoslawien und Deutschland)

Das ist eine furiose Szene, die mich unweigerlich an die Sanduhr denken lässt, jenes für mich so wichtige Buch, das mir Trost und Richtung gab, als mein Vater gestorben war, mittlerweile vor 24 Jahren.

Was ist das für ein merkwürdiger Morgen, an dem ich auf einen Schriftsteller zu sprechen kommen möchte, dessen in Mitteleuropa doch eher gelegentlich gedacht wird  – und doch just an diesem Tag finde ich eine  Besprechung seines frühen Werks Psalm 44 im Internet? (Aha: 15. Oktober 2019 war dessen 30. Todestag!)

Was sieht man sonst noch aus der Hundeperspektive?
(aus: Sanduhr von Danilo Kiš )

Der Prosaband Der Eremit. Stille und Unruhe eines Rom von Ruždija Russo Sejdović, 1966 in Kuče (Montenegro) geboren, ist eine Sammlung kurzer Prosatexte, die aus dem Gurbet-Romani, einer Varietät des Vlax-Romani, von Melitta Depner ins Deutsche übersetzt und 2017 veröffentlicht wurde.

Dass sich hierfür kein renommierter deutscher Verlag fand, der Band vielmehr als Eigenpublikation erschien, verrät viel über den Umgang mit Minoritätssprachen und belegt den schlechten Zustand Europas. Frieden und Aussöhnung?

Keineswegs schmälerte es die Qualität der Texte.

Es macht mich wütend, dass bei der Aufnahme von Schriftstellerinnen und Schriftstellern in den Berufsverband VS immer noch Eigenpublikationen als minderwertig  erachtet werden. Welche Arroganz der Mehrheitssprache, welche Ignoranz gegenüber der Geschichte!
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Ray Lavallee und Judith Silverthorne: „Die Würdigung des Bisons – Eine Legende der Plains Cree“

Vorschau Frankfurter Buchmesse 2020, Ehrengast: Kanada
Vom Rentier zum Bison – Die Überreichung der GastRolle anderer Art

Meinen Besuch bei der Frankfurter Buchmesse 2019 beschloss ich mit Traditional Sámi Joik and Joik Poetry, vorgetragen von Inga Ravna Eira, Biret Riste Sara und Karen Anne Buljo am Sonntagmittag im Ehrengast-Pavillon. Dabei wurde abermals, wie in den Tagen zuvor, über die große Bedeutung der Rentier-Herden für die Sámi gesprochen. Alle Körperteile des Rentiers sind den Sámi von Nutzen.

Das galt auch für ein anderes Säugetier, den Bison, der für den Kultur der Cree in Kanada von überragender Bedeutung war. Einst gab es viele Millionen Bisons, die die weiten Ebenen bevölkerten. (Heute gibt es etwa 20000 wildlebende Bisons.)

Daran erinnert das preisgekrönte Buch Die Würdigung des Bisons. Eine Legende der Plains Cree, das gerade im Verlag MONS in einer bilingualen Fassung erschienen ist. Dass hier die Sprache Plains Cree oder auch Dialekt Y gezeigt und in Beziehung zur deutschen Sprache gesetzt wird, allein das ist bedeutend im Internationalen Jahr der indigenen Sprachen 2019.

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Kim Kyung-Uk: „Was? Leslie Cheung ist tot?“

Schiff der Barbaren

Der Band Was? Leslie Cheung ist tot? versammelt neun Erzählungen des 1971 in Gwanju geborenen koreanischen Schriftstellers Kim Kyung-Uk, der zur Neuen Generation gehört. Er hat mehrere Erzählbände und Romane geschrieben und ist für sein Werk ausgezeichnet worden.

Hyuk-Sook Kim und Manfred Selzer haben für diese erste Veröffentlichung in deutscher Sprache eine repräsentative Auswahl der Erzählungen vorgenommen, um uns mit dem Autor und seinen Themen bekannt zu machen. Diese knüpfen durchaus auch an jene der ebenfalls vom Duo Kim | Selzer übersetzten Eun Hee-Kyung an. Ich denke an Großstadtleben und Einsamkeit. Doch der Sound ist anders als bei der 1959 geborenen Eun. Die Geschichten haben eher eine absurde Note, denn eine traurig-depressive wie bei Eun.
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Andreas Lehmann: „Über Tage“

Plötzliche Stille, so laut

Mit dem Roman Über Tage meldet sich der 1977 in Marburg geborene Andreas Lehmann in der deutschen zeitgenössischen Prosa an. Die Geschichte, die auf weniger als 180 Seiten niedergeschrieben ist, darf man nicht als ein Bewerbungsschreiben ansehen. Was Lehmann hier abliefert, ist ein makelloses Debüt, ein Meisterwerk.  Und es bedarf nicht allzu vieler Worte, es zu würdigen. Der Zauber der Literatur muss vom Rezensenten nicht wortreich durchdekliniert werden.

Rezension auf Fixpoetry.

Knut Ødegård: „Die Zeit ist gekommen“

Frankfurter Buchmesse 2019, Ehrengast: Norwegen
Zerstäubte Seelen

Mit Die Zeit ist gekommen in der Übertragung von Åse Birkenheier wird dem deutschen Publikum der zuletzt erschienene Band Tida er inne (2017) des norwegischen Dichters Knut Ødegård zugänglich gemacht. Bis auf einige verstreute Übersetzungen ist dieser Band die Premiere eines in Nordeuropa sehr bekannten und erfolgreichen Dichters, der 1945 in Molde geboren wurde.

Mittlerweile bin ich routiniert genug, eine Rezension so zu schreiben, dass sie die Leistung des Autors und seiner Übersetzerin kritisch und umfänglich würdigt, in Abwägung dieses und jenes Aspekts. Eine Vorgehensweise, die gelingt – und mich in diesem Fall nicht interessiert.

Ich will über den Schock sprechen, den das Gedicht Leukotomie ausgelöst hat.

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Theo Harych: „Im Geiseltal“

Im Wartesaal vierter Klasse

Gerade mit dem Personenzug aus Schlesien angekommen, atmet Theo, der junge Ich-Erzähler des Romans Im Geiseltal von Theo Harych, erleichtert auf.

Merseburg! Viele Jahre hatte ich von dieser Stadt geträumt, sehnsüchtig auf den Tag gewartet, der mir die Freiheit bringen, mich aus den Klauen meiner Peiniger befreien sollte. Hier in der Nähe lag das Geiseltal mit den vielen Kohlengruben und Fabriken – das Land meiner Träume, wo ich Brot und Arbeit zu finden hoffte und ein neues, schöneres Leben beginnen wollte.

Theo ist fünfzehn Jahre alt. Wer verstehen möchte, wieso die Industriearbeit ihm eine solche Verheißung ist, möge sich in Harychs Roman Hinter den schwarzen Wäldern vertiefen, der Theos Vorgeschichte als Bursche im waldigen Gebiet an der Grenze Niederschlesiens zur Woiwodschaft Großpolen erzählt. Theo malocht für Bauern und erhält Prügel und ein ab und an ein Stück Brot: fürs Leben zu wenig, fürs Sterben zu viel.

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