Kurt Heyd: „Christophs Abenteuer in Australien“

Von Butzbach nach Bathurst

Kurt Heyd (* 1906 Darmstadt, † 1981 Darmstadt) veröffentlichte im Sommer 1935 das Kinder- und Jugendbuch „Christophs Abenteuer in Australien“ im Gustav Kiepenheuer Verlag. Dieses Buch, schon überaus erfolgreich im Dritten Reich, aber auch noch in der Nachkriegszeit, war sein literarisches Debüt. In diesem Abenteuerroman nahm er die Erinnerungen seines Großvaters auf, der, wie Heyd in der Vorrede sagt, in den Wintern der Kriegsjahre dem Enkel die Erlebnisse seiner Australien-Reise aus dem Jahr 1854 so lebhaft beschrieb, dass sie sich dem späteren Schriftsteller und Journalisten für immer einprägten.

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Joshua Doder: „Grk ist nicht zu fassen“

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Unversehens wachsen Kinder aus dem Vorlese- und Leselernalter heraus. Plötzlich lesen sie selbst und ehrlich gesagt: wir Eltern sind darüber heil froh. Wissen wir alle um die Bedeutung des Vorlesens, dieser Phase der Lesebegleitung, so begrüßen wir ebenso sehr diese Autonomie, auch wenn wir dann keine Ahnung mehr haben, was die Kinder lesen. Bestenfalls kennen wir die bunten Cover und die Ratschläge der Buchhändlerin, die Kinderbücher in lebhaften Worten zu empfehlen vermag. Welcher Erwachsene liest freiwillig ein Kinderbuch?

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Ramsingh Urveti: „I Saw a Peacock with a Fiery Tail“

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Was passiert, wenn man ein aus dem 17. Jahrhundert stammendes Gedicht anonymer Herkunft, das auf zweierlei Weise gelesen werden kann, zusammenbringt mit einem Künstler aus Zentralindien, 1970 geboren und einem Buchdesigner aus São Paulo stammend, heute in New York lebend?

Es entsteht prämierte Buchkunst vom Feinsten.

Das Gedicht I Saw a Peacock with a Fiery Tail ist fester Bestandteil von Anthologien zur Kinderpoesie in England, weist in seinen Lesarten des Verrückten, Absurden und des Geordneten, Normalen aber weit über Kinderreime hinaus.

Is the difference between fantasy and reality largely grammatical? Or are these inventions the very essence of poetry […]?

Wie Ramsingh Urveti und Jonathan Yamakami dieses Gedicht für Tara Books graphisch umsetzen und als Buch gestalten, ist sehr schön. Und diese Schönheit wirkt seit 2011, inzwischen in der 3. Auflage.

Einen Einblick gibt ein Video auf Youtube. Doch, Vorsicht! Dieses Buch in eigenen Händen zu halten, ist unvergleichlich. Und man muss gar nicht auf Buchmessen sein (wie gerade aktuell in Frankfurt) oder nach Chennai reisen, wo Tara Books zuhause ist, um Bücher aus dem Verlagsprogramm zu bekommen: Runge Verlagsauslieferung (Kontaktperson: Jutta Hartmann) in Steinhagen hilft gerne weiter.

Antje Herden: „Letzten Donnerstag habe ich die Welt gerettet“

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Die Welt zu retten, ist eine ziemlich aufregende Angelegenheit.

Kurt, Sandro und die Prinzessin beobachten merkwürdige Veränderungen. Um der Sache auf den Grund zu gehen, müssen sie in die Unterwelt absteigen, im Dunkel(deutsch)land von Kanalisation und Bunkeranlagen. Dort treffen sie auf Kröten, Ratten und Molche, die viel größer als normal sind und den Kindern bedrohlich nahekommen.

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Hermann Schulz: „Mandela & Nelson“

Hermann Schulz: Mandela & Nelson

Das Buch war eine Empfehlung der Buchhändlerin, einer rar gewordenen Spezies, die nicht nur Bücher verkauft, sondern auch den Inhalt in eigenen Worten wiedergeben kann. Bei dem Titel dachte ich sofort, dass die Handlung in Südafrika spielt, aber schnell begriff ich diesen Irrtum. Die Menschen von Bagamoyo stehen im Mittelpunkt dieses Buches.

Bagamoyo, nördlich der tansanischen Hafenstadt Dar-es-Salaam gelegen, war einmal, so lange ist das noch gar nicht her, die Hauptstadt von Deutsch-Ostafrika. Und der Ort, an dem die aus dem Landesinnern verschleppten Einheimischen als Sklaven verschifft wurden. Deutsche Kolonialpolitik, in Bagamoyo sind die Schatten dieser unheilvollen Zeit immer noch zu spüren. Gemeinsam mit meiner Frau habe ich 1998 diesen Ort auf unserer dreiwöchigen Tansania-Reise besucht. Die Reise dorthin war eine der aufregendsten meines Lebens, aber das ist eine andere Geschichte …

Ja, wie das Cover schon vermuten lässt, geht es in diesem Buch um Fußball. Aber es geht doch um so viel mehr. Der Autor lässt seinen Erzähler Nelson, Zwillingbruder von Mandela, unbekümmert über die harten Seiten des afrikanischen Alltags berichten, spart das dunkle Kapitel der Sklavenzeit nicht aus und blickt dennoch optimistisch auf jeden neuen Tag.

Als eine Jugendmannschaft aus Deutschland sich für ein Freundschaftsspiel ankündigt, muss Nelson plötzlich sehr viel organisieren, und das heißt: improvisieren. Die Gäste sollen einen guten Eindruck vom afrikanischen Fußball bekommen. Das wird, mit viel Lebensfreude und Witz, gelingen.

David Safier: „28 Tage lang“

David Safier: "28 Tage lang"

Wann werden meine Kinder dieses Buch lesen? Gibt es ein richtiges Alter für diese Geschichte, die uns in einem spannenden (Jugend-)Roman die Vernichtung des Warschauer Ghettos näher bringt, den Kampf ums nackte Überleben, den jüdischen Widerstand, der 28 Tage lang dem absoluten Zerstörungswillen der SS im Warschauer Ghettoaufstand trotzt?

Safier zeigt exemplarisch an seiner Hauptfigur Mira wichtigen Facetten des Ghettolebens und Ghettosterbens im Jahr 1942 und 1943 auf. Und stellt dabei uns durch den Mund Miras Fragen, etwa, wie wir als Mensch leben wollen, zu welcher Sorte Mensch wir gehören wollen.

Eine einfache Zuordnung wäre: Ich gehöre zur Sorte Nachfahre der Täter. Safier ist in dieser reduzierten Logik Nachfahre der Opfer. Die Schnittmenge wäre: Wir sind deutsche Schriftsteller, die die Erinnerung an Krieg und Vernichtung bewahren müssen.

In diesem Sinn habe ich meine kurze Prosa „Das blonde Schaf“ geschrieben, das an verschiedenen Orten und Zeiten spielt, ihren Kern jedoch im Warschau zwischen Kriegsbeginn und der ersten Aktion im Juli 1942 hat, als mit dem Versprechen, Brot und Marmelade auszuteilen, Juden zum Umschlagplatz gelockt wurden. Martha, meine Protagonistin wird in Treblinka sterben, Safiers Mira entkommt dem Ghetto durch die Kanalisation, so wie es Marek Edelman und wenigen Kämpfern im Mai 1943 gelungen ist.

Luis Sepúlveda: „Wie Kater Zorbas der kleinen Möwe das Fliegen beibrachte“

Luis Sepúlveda: Wie Kater Zorbas der kleinen Möwe das Fliegen beibrachte

Ein Fund beim Kinderbuchflohmarkt in der Schule. Intuitiv wusste ich, das ist ein Juwel, das fälschlicherweise unter die Masse eselohriger Leselernbücher geraten war. Ich habe das Buch sofort in die Hand genommen und nicht mehr hergegeben. Es stammt in der 11. Auflage aus dem Jahr 2007. Trotz des für ein Buch inzwischen hohen Alters hat es seinen Schwung nicht verloren. Es wirkt frisch und unverbraucht, so wie die ersten Flügelschläge der Möwe Afortunada. Obwohl meine Kinder meine Vorlesestimme längst nicht mehr brauchen, sie lesen viel und schnell, haben sie ihre Augen geschont und dieser Geschichte von Katzen, Möwen und einem Dichter gerne zugehört. Ein großes Vergnügen, mit tollen Illustrationen von Sabine Wilharm.