Nguyễn Bình Phương: „Xa Xăm Gõ Cừa“

Eine kleine Reihe über Bücher, die ich in Buchhandlungen außerhalb Deutschlands gekauft habe.

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Bei meiner Rundreise durch Vietnam habe ich in verschiedenen Buchhandlungen in Hanoi, Hội An und Ho-Chi-Minh-Stadt nach zeitgenössischer vietnamischer Lyrik in englischsprachiger Übersetzung gefragt. Diesen Wunsch konnte mir niemand erfüllen.

Im FAHASA-Bookstore in Ho-Chi-Minh-Stadt, 40 Nguyễn Huệ, fand ich zeitgenössische vietnamische Lyrik. Nach längerer Suche entschied ich mich zum Kauf von „Xa Xăm Gõ Cừa“ des Autors Nguyễn Bình Phương.

Wenn man die Sprache nicht versteht und also den Inhalt nicht prüfen kann, nach welchen Kriterien wählt man ein Buch aus? Coverdesign, eingefügte Grafiken und die Anordnung der Texte sprachen für diesen Band, der Anfang 2015 erschien. Er versammelt Gedichte von 1992 bis in die Gegenwart und belegt mit dem Umfang von über 200 Seiten die Arbeit des Schriftstellers, die sich doch deutlich von den eher schmalen, kitschig aufgemachte Poesiealben anderer zu unterscheiden scheint.

Der Autor wurde 1965 geboren und ist seit 1986 Schriftsteller. Er hat mehrere Prosa-Bücher veröffentlicht, der vorliegende Band ist seine erste umfangreiche Lyrikpublikation. Eine Rezension von Lam Thu ist online zu finden. Man kann sich die Seite natürlich sekundenschnell übersetzen lassen und doch bezweifeln, dass man dadurch dem Autor und seinem Werk näher kommt.

Ich fragte unseren deutschsprachigen Reiseführer auf dem Weg zum Cu Chi-Tunnelkomplex nach der Bedeutung des Titels. Er, der wenige Jahre in Berlin-Marzahn gelebt hatte und mit jedem Atemzug seine marxistisch-leninistische Überzeugung ausströmte, während er über den aufopferungsvollen Kampf der Việt cộng und deren Guerillataktik sprach, wog die vier Silben sorgsam ab, sagte dann jedoch ohne Zweifel in seiner Stimme:

„Weit weg Tür anklopfen“

Das ist ein eindrucksvoller Titel, lässt er doch viel Raum für eigene Gedanken. Und eine solche Gedankenfreiheit ist keineswegs selbstverständlich, sondern ein Gut, das es gegen jegliche Art von Zugriffen zu schützen gilt.

Heute wird gemeldet, dass Tran Das Quang, bislang Vietnams Chef der internen Sicherheit, möglicherweise während des morgen beginnenden 12. KP-Kongresses zum neuen Präsidenten ernannt wird. Er war schon in vergangener Zeit verantwortlich für die Verfolgung von Dissidenten und Internet-Bloggern. Die Caselist des P.E.N. (1. Halbjahr 2015) dokumentiert diese staatlichen Übergriffe akribisch (Vietnam, Seite 156ff).