John Burnside: „Ashland & Vine“

In der Biografie der US-amerikanischen Dramatikerin und Menschenrechtsaktivistin Lorraine Hansberry (1930–1965) finden sich Themen und Motive, die John Burnside in seinem neuen Roman in epischer Breite auslegt, um einen Abschnitt amerikanischer Geschichte ins Bewusstsein zu rufen, wie es seine Figur Laurits, ein Filmemacher mit europäischen Wurzeln, tut.

Laurits schüttelte den Kopf. „Kannst du nachlesen“, sagte er. „Steht in den Geschichtsbüchern.“ Er gab sich ernst, doch war ihm anzumerken, dass es sich um eines seiner Lieblingsthemen handelte, eines, von dem er wusste, dass es Huey ärgern würde. „Ihr Amerikaner kennt eure eigene Geschichte nicht …“

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Vicente Valero: „Die Fremden“

Die abgewandte Seite der Familie

Vicente Valero, 1963 auf Ibiza geboren, hat 2014 ein Buch über „fremde Verwandte“ veröffentlicht. Herausgekommen ist, nun in deutscher Übersetzung von Peter Kultzen vorliegend, ein im Umfang schmales, doch bedeutendes Stück Prosa, das als Romandebüt beworben wird, vom Autor selbst als Bericht verstanden werden will.

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Luis Chaves: „Während ich aus den Minusgraden zurückkehre und eine beiläufige Bemerkung vortäusche“

Mudanzas ↔ Umzüge
Luis Chaves‘ Lyrik

Kartons mit Edding in Schrägschrift beschrieben.
Küche / Bücher / Bad.
Wenn ein Fremder in diesem Augenblick hereinkäme
wüsste er nicht, ob gerade jemand ein- oder auszieht.
[aus: Umzüge]

Kiste 8 – Wintersachen (Abstellkammer)
Der Gedichtband eröffnet mit der Kapitelüberschrift „Außerhalb der Schwerkraft“ (Erstveröffentlichung) und beinhaltet lediglich das Gedicht „Zeitzone“, aus dem die beiden titelgebenden Verse entnommen sind.

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Ryszard Krynicki: „Sehen wir uns noch?“

Issas Schnecke, ein minimalistisches Vorbild
Ryszard Krynickis Poesie

Kobayashi Issa (1763-1828) gilt als einer von vier Meistern der japanischen Haiku-Dichtung. Sein Einfluss auf die europäische Lyrik ist im 21. Jahrhundert noch spürbar. Klaus Merz und Ryszard Krynicki (Übersetzung: Renate Schmidgall) nehmen in ihren neuesten Gedichtbänden, die der deutschsprachige Buchmarkt bietet, direkten Bezug auf den Autor der folgenden Zeilen.

Katatsumuri
sorosoro nobore
fuji-no yama.

Die kleine Schnecke
ganz langsam steigt sie hinauf
auf den Berg Fuji.

 

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Primo Levi: „So war Auschwitz“

Mit „So war Auschwitz“ legen die Herausgeber 30 Jahre nach Levis Tod am 11. April 1987 den neuesten Forschungsstand vor. Als Einzelpublikation betrachtet ist es vor allem ein Buch von Historikern für Historiker, im Kontext des Werks Levis jedoch ein Wegweiser, wie notwendigerweise die „ethische Reflexion“ zu vertiefen ist. Das geht uns alle an.

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Artur Becker: „Kosmopolen. Essays“

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Das Kind Artur Bekier wurde 1968 im masurisch-ostpreußischen Bartoszyce geboren. Der Ort, zum Zeitpunkt der Geburt des Kindes und auch noch heute, wohl bedingt durch die lange Phase des Friedens in Mittel- und Osteuropa, die wir zunächst als Nachkriegsordnung und dann zunehmend nach dem Jahr 1989 als Überwindung der Nationalstaaten im Sinne der Solidarität in der Europäischen Union erleben durften (die berechtigten Zweifel am Fortbestand bedingen das Präteritum!), liegt auf polnischem Staatsgebiet.

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Udo Kawasser: „Unterm Faulbaum“

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Zu meiner Überraschung kommt mir mit Beginn dieser Besprechung das Wort semipermeable Membran in den Sinn. Es steht plötzlich vor mir und fragt mich, was die Erinnerung an diesen Fachausdruck mit dem vorliegenden Buch zu tun hat, das den Untertitel „Aufzeichnungen aus der Au“ trägt. Durchlässig zu werden, bedeutet es nicht, den Stoffaustausch von innen nach außen, von außen nach innen zu gewährleisten, ein Austausch, von dem der Organismus profitiert?

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Klaus Merz: „Helios Transport“

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Rainer-Malkowski-Preis 2016 an Klaus Merz

Ich stelle mir vor, wie der griechische Sonnengott Helios mit seinem von vier Hengsten gezogenen Sonnenwagen durch die Lüfte schwebte und es auf den Punkt bringen wollte. „Diesen Punkt auch glühend zu machen, ist mein Anliegen“, sagte Helios, in Gestalt von Klaus Merz, „und auch meine Passion.“

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John Burnside: „Anweisungen für eine Himmelsbestattung“

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Iain Galbraith, 2015 für seine Arbeit als Übersetzer mit dem Popescu European Translation Prize ausgezeichnet, mutmaßt in seinem Nachwort zu der von ihm ausgewählten und übersetzten Lyrik des schottischen Schriftstellers John Burnside, dass die Übersetzung von „home“ als „Zuhause“ oder „Heimat“ zu gemütlich anmutet und die Komplexität des Wortes für Burnside nicht abbildet.

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Miron Białoszewski: „Das geheime Tagebuch“

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Ich bin es, der den Organismus anführt
Das geheime Tagebuch des Miron Białoszewski

Vorüberlegungen

Warum sollte ich das Tagebuch eines mir unbekannten Menschen lesen? Mit welchen Erwartungen gehe ich an die Lektüre, die als geheim klassifiziert ist? Welche Zugangsberechtigung habe ich zu den Aufzeichnungen?

Der komplette Essay auf Fixpoetry.

Víctor Rodríguez Núñez: „Mit einem seltsamen Geruch nach Welt“

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yo soy un tojosista / ich bin ein dichter der sperlingstauben

Columbina passerina, das Sperlingstäubchen, ist ein sehr kleiner Vertreter seiner Familie, der in Süd-, Mittel- und im südlichen Nordamerika anzutreffen ist. Udo Kawasser, der gemeinsam mit dem kubanischen Dichter Núñez für den vorliegenden Band Mit einem seltsamen Geruch von Welt aus neun Gedichtbänden zwischen 1979 und 2011 die Auswahl getroffen und die Gedichte ins Deutsche übertragen hat, fragte den Autor bei der Lesung auf der Leipziger Buchmesse am 20.3.2016, was hinter dieser Metapher steckt.

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