Dirk Uwe Hansen: „wolkenformate“

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Zur Zeit arbeite ich an einem lyrischen Zyklus über Wolken. Da verwundert es nicht, wenn mein Wetterradar empfänglich ist für Wolken anderer Herkunft.

Zwei Beispiele zeitgenössicher deutscher Wolken-Lyrik sind Martin Piekars „Wolkenformnationen“, ausgezeichnet mit dem hr2-Literaturpreis 2015 und der soeben im gutleut verlag Frankfurt am Main erschienene Band „wolkenformate“ des 1963 in Eckernförde geborenen Dirk Uwe Hansen.

Rezension auf Fixpoetry.

Senthuran Varatharajah: „Vor der Zunahme der Zeichen“

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Einen Roman als Roman zu bezeichnen, der keiner ist, birgt ein gewisses Risiko. Der Autor könnte ohne eigenes Zutun beschädigt werden. Erwartungshaltungen, die an den Roman herangetragen werden, entzieht sich Senthuran Varatharajah, Jahrgang 1984, bewusst. Er hat einen Nicht-Roman vorgelegt. Es gibt keine Handlung, es gibt keinen Spannungsbogen. Es handelt sich nicht einmal um einen Dialog zweier Menschen, sondern um zwei Monologe, die sich via Facebook die Trigger für den weiteren, assoziativen Gedankenfluss für die Dauer von sieben Tagen und Nächten zusenden.

Ausführliche Rezension auf Fixpoetry.

Kerstin Preiwuß: „Gespür für Licht“

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Aalmutter fang an

Hans Christian Andersen notiert in Eine Geschichte aus den Dünen den Satz: „Das Kindesalter hat für jeden seine Lichthöhen, die später durchs ganze Leben hindurchstrahlen.“ Kerstin Preiwuß nimmt uns in ihrer dritten Lyrikpublikation mit in einen geschützten Raum, der voller (Vor-)Freude und Ängste ist. Sie führt uns entlang der Jahreszeiten in die zweite Hälfte ihrer Schwangerschaft, zur Geburt und zum ersten Lebenshalbjahr ihres Kindes. Die Unsicherheit, die Verlustängste der (werdenden) Mutter sind in der Referenz zu Andersens Aalmutter festgehalten, einem dem Jahreszeitenzyklus vorangestellten Gedicht, in dem es heißt:

Ich habe kein Gespür für mich selbst
aber ein Gespür für Licht.

Ausführliche Rezension auf Fixpoetry.

Etgar Keret: „Die sieben guten Jahre. Mein Leben als Vater und Sohn“

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Die Bonusmeilen der Abwesenheit
Etgar Keret als Sohn und Vater

„Du bist auch ein Kind“, sagt mein Sohn und nimmt meinem Argument den Wind aus den Segeln, „das Kind deiner Eltern!“ Er strahlt. Er weiß, er hat ins Schwarze getroffen. Denn obschon mein Vater vor vielen Jahren starb und ihn nicht kennenlernte, hat mein Sohn Recht. Kinder erinnern uns daran, dass wir in einer Traditionslinie stehen, die über den Tod hinaus Gültigkeit hat.

Ausführliche Rezension auf Fixpoetry.

Robert Seethaler: „Der Trafikant“

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Weil ich Trafikant bin
Robert Seethaler schreibt „eine kleine Ahnung von den Möglichkeiten der Welt“

Am Ende liegt eine „merkwürdige Stille über der Stadt“, die kurz darauf durch ein Vibrieren der Luft zerschnitten wird. Anezka beginnt, um ihr Leben zu laufen. Vielleicht tropft ihr noch einmal ein „Burschi“ aus dem Mund und vielleicht würde Franz, lebte er noch, ein letztes Mal antworten: „Nenn mich nicht Burschi! Mein Name ist Franz Huchel.“ Es ist der 12. März 1945, die Alliierte schicken sich an, ihre Bomben über Wien abzuwerfen.

Romane, deren Spannungsbögen außerhalb der erzählten Geschichte liegen, können von hinten nach vorne besprochen werden. Sie laufen keine Gefahr, vom Kritiker die Pointe zerredet zu bekommen …

Ausführliche Rezension auf Fixpoetry.

Ilse Hehn: „Tage Ost – West“

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Über allen Gedichten in „TAGE OST – WEST“ von Ilse Hehn schwebt die Frage der Heimat. Kann ich in der Ferne auch heimisch werden? Reicht es, wenn ich meine Zunge im Gepäck habe? Oder lässt mich die Landschaft der Kindheit nie mehr los? Solcherlei Geplänkel mag altmodisch erscheinen oder nach Tagesaktualität klingen: nach Flüchtlingen, nach Sprachkursen. Ich denke an Canetti, der mit Brachialgewalt Deutsch lernen musste und ich denke ans Banat, vor kurzem eine mir literarisch wie geographisch unbekannte Region, die meine Muttersprache Deutsch in der Fremde bewahrte. Wo also ist Heimat verortet?

Ausführliche Rezension auf Fixpoetry.